ein fragezeichen sollte sich nicht in ein rufzeichen verlieben, aber es geschah. vielleicht weil sich gegensätze anziehen, vielleicht weil das etwas pummelige fragezeichen einfach für alles schwärmte, was schlank ist. liebst du mich, fragte erwartungsgemäß das fragezeichen das rufzeichen? ja, donnerte es zurück, dass das fragezeichen vor schreck erzitterte. warum musst du so brüllen, fragte das fragezeichen. ich brülle nicht, sagte das rufzeichen, ich betone nur. und willst du auch kinder, fragte das fragezeichen kleinlaut? ja, aber nur solche, die sich klar ausdrücken, sagte das rufzeichen, die deutlich sprechen und nicht dauernd alles in frage stellen. diese ewige fragerei würde mir ganz schön auf die nerven gehen. aber die intelligenteren sind doch die, die alles in frage stellen, erlaubte das fragezeichen einzuwenden. was heißt hier intelligenz, brüllte das rufzeichen, meine sache ist es, alles zu betonen, was betont werden soll. das ist meine pflicht. und ich erfülle meine pflicht, wie es vielleicht deine ist zu fragen. was heißt hier pflicht, sagte das fragezeichen, krümmte den rücken und zeigte wie eine schwangere den bauch: was du betonst ist vergangenheit, ist bestenfalls gegenwart, ich aber trage die zukunft in mir.
aus: friedrich achleitner, „einschlafgeschichten“, wien 2003